Die richtige Lagerung von Zigarren
Eine hochwertige Zigarre ist ein empfindliches Naturprodukt. Auch nachdem sie gerollt und verpackt wurde, reagiert der Tabak weiterhin auf seine Umgebung. Feuchtigkeit, Temperatur, Licht, Luftbewegung und fremde Gerüche können den Zustand einer Zigarre erheblich beeinflussen.
Eine falsche Lagerung kann dazu führen, dass Zigarren austrocknen, aufquellen, schlecht ziehen, ungleichmässig abbrennen oder von Schimmel und Tabakkäfern befallen werden. Unter geeigneten Bedingungen können hochwertige Zigarren dagegen über viele Jahre gelagert werden und sich geschmacklich weiterentwickeln.
Die richtige Lagerung verfolgt deshalb zwei Ziele:
- Die Zigarren sollen ihre optimale Rauchfähigkeit behalten.
- Die Aromen des Blends sollen sich während einer längeren Reifung harmonisch entwickeln können.
Ein Humidor schafft hierfür ein kontrolliertes Klima. Er ersetzt jedoch nicht die regelmässige Kontrolle und ein grundlegendes Verständnis dafür, wie Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit zusammenwirken.
1. Warum Zigarren Feuchtigkeit benötigen
Tabakblätter sind hygroskopisch. Das bedeutet, dass sie Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen und wieder abgeben können.
Eine Zigarre versucht sich deshalb langfristig an die Luftfeuchtigkeit ihrer Umgebung anzupassen. Wird sie in einem sehr trockenen Raum gelagert, gibt sie Feuchtigkeit ab. Befindet sie sich in einer sehr feuchten Umgebung, nimmt sie zusätzliche Feuchtigkeit auf.
Das Deckblatt einer gut gelagerten Zigarre sollte geschmeidig sein und bei vorsichtiger Berührung leicht nachgeben. Es darf sich weder trocken und spröde noch weich und aufgequollen anfühlen.
Die Feuchtigkeit beeinflusst unter anderem:
- die Elastizität des Deckblattes
- den Zugwiderstand
- die Brenngeschwindigkeit
- die Rauchentwicklung
- die Wahrnehmung der Aromen
- die Widerstandsfähigkeit gegen Beschädigungen
- die langfristige Reifung
Eine Zigarre ist jedoch nicht umso besser gelagert, je feuchter sie ist. Zu viel Feuchtigkeit kann ebenso schädlich sein wie zu wenig.

2. Die ideale relative Luftfeuchtigkeit
Für die Lagerung von Premiumzigarren wird häufig ein Bereich zwischen ungefähr 65 und 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit empfohlen.
Habanos nennt für kubanische Zigarren einen Bereich von 65 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Boveda beschreibt einen etwas breiteren allgemeinen Bereich von 65 bis 72 Prozent. Entscheidend ist nicht nur der gewählte Wert, sondern vor allem dessen Stabilität. (Habanos)
Welche Luftfeuchtigkeit innerhalb dieses Bereiches bevorzugt wird, hängt auch von der Zigarre und den persönlichen Vorlieben ab.
Lagerung bei ungefähr 65 Prozent
Eine etwas trockenere Lagerung kann folgende Eigenschaften begünstigen:
- leichterer Zug
- zuverlässigerer Abbrand
- klarere und teilweise intensivere Aromen
- geringeres Risiko für Schimmel
- geringeres Risiko für stark aufquellende Zigarren
Besonders kräftige Longfiller-Zigarren und kubanische Zigarren werden von manchen Aficionados bewusst bei ungefähr 65 bis 68 Prozent gelagert.
Lagerung bei ungefähr 69 Prozent
Etwa 69 Prozent relative Luftfeuchtigkeit gelten als guter und weitverbreiteter Mittelwert.
Die Zigarren bleiben dabei in der Regel ausreichend geschmeidig, ohne übermässig feucht zu werden. Für viele Tischhumidore und gemischte Sammlungen ist dies ein sinnvoller Ausgangspunkt.
Lagerung bei ungefähr 72 Prozent
Eine Lagerung bei ungefähr 72 Prozent kann für Personen geeignet sein, die ihre Zigarren etwas weicher und feuchter bevorzugen. In sehr dicht schliessenden Kunststoffbehältern kann dieser Wert jedoch für einzelne Zigarren bereits zu hoch sein.
Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto sorgfältiger müssen Temperatur, Luftzirkulation und mögliche Anzeichen von Schimmel kontrolliert werden.
3. Was bedeutet relative Luftfeuchtigkeit?
Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zur maximal möglichen Menge bei der jeweiligen Temperatur enthält.
Sie ist deshalb immer von der Temperatur abhängig. Warme Luft kann grundsätzlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft.
Ändert sich die Temperatur, verändert sich auch die gemessene relative Luftfeuchtigkeit. Selbst wenn dem Humidor weder Wasser zugeführt noch entzogen wird, können Temperaturschwankungen zu schwankenden Messwerten führen.
Aus diesem Grund sollten Zigarren nicht nur bei einer geeigneten Luftfeuchtigkeit, sondern auch bei einer möglichst konstanten Temperatur gelagert werden. Habanos weist ausdrücklich darauf hin, dass Temperaturveränderungen auch die relative Luftfeuchtigkeit beeinflussen. (Habanos)
4. Die ideale Lagertemperatur
Habanos empfiehlt für die Lagerung kubanischer Zigarren eine Temperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius. In diesem Bereich und bei 65 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit können sich die Aromen während der Lagerung kontrolliert weiterentwickeln. (Habanos)
In privaten Haushalten ist eine konstante Temperatur von 16 bis 18 Grad jedoch nicht immer realistisch. Eine stabile Raumtemperatur von ungefähr 18 bis 21 Grad kann ebenfalls funktionieren, sofern die Luftfeuchtigkeit kontrolliert wird und sich der Humidor nicht an einem wärmeren Standort befindet.
Wichtiger als das Erreichen eines einzelnen exakten Temperaturwertes ist häufig die Vermeidung starker und schneller Schwankungen.
Problematisch sind insbesondere:
- direkte Sonneneinstrahlung
- Heizkörper
- Cheminées
- warme Fensterbänke
- Dachgeschosse im Sommer
- schlecht belüftete Schränke an warmen Wänden
- Geräte, die Wärme abgeben
- häufig wechselnde Standorte
Hohe Temperaturen beschleunigen unerwünschte biologische und chemische Vorgänge. Gleichzeitig steigt bei warmer und feuchter Lagerung das Risiko für Schimmel und Tabakkäfer.
5. Das Zusammenspiel von Temperatur und Feuchtigkeit
Temperatur und Feuchtigkeit dürfen nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.
Ein Humidor mit 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit bei 17 Grad verhält sich anders als ein Humidor mit demselben Messwert bei 25 Grad.
Bei hoher Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit können Zigarren:
- stark aufquellen
- weich werden
- schwer ziehen
- schlecht brennen
- muffige Aromen entwickeln
- anfälliger für Schimmel werden
Bei niedriger Luftfeuchtigkeit und hoher Temperatur verlieren sie dagegen besonders schnell Feuchtigkeit.
Für eine zuverlässige Lagerung gilt deshalb:
Stabilität ist wichtiger als das ständige Erreichen eines vermeintlich perfekten Einzelwertes.
Ein Humidor, der dauerhaft zwischen 66 und 69 Prozent liegt, ist meist besser als ein System, das ständig zwischen 60 und 75 Prozent schwankt.
6. Der Humidor
Ein Humidor ist ein Behälter oder Raum, in dem Zigarren unter kontrollierten klimatischen Bedingungen gelagert werden.
Es gibt verschiedene Ausführungen:
- Tischhumidor
- Schrankhumidor
- Humidorschublade
- Reisehumidor
- Acrylhumidor
- Kunststoffbehälter oder Tupperdor
- Coolidor
- begehbarer Humidor
Ein Humidor muss nicht zwingend aus Holz bestehen. Entscheidend ist, dass er ausreichend dicht schliesst, lebensmittelechte beziehungsweise geeignete Materialien verwendet und eine stabile Klimatisierung ermöglicht.
Traditionelle Humidore besitzen häufig eine Innenauskleidung aus spanischer Zeder.

7. Spanische Zeder
Der Begriff spanische Zeder ist etwas irreführend. Das verwendete Holz stammt botanisch nicht von einer echten Zeder. Im Zigarrenbereich wird häufig die Holzart Cedrela odorata verwendet.
Spanische Zeder eignet sich aufgrund verschiedener Eigenschaften für den Humidorbau. Das Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und dadurch kurzfristige Schwankungen abpuffern.
Weitere geschätzte Eigenschaften sind:
- angenehmer, tabakähnlicher Holzduft
- Unterstützung eines ausgeglichenen Innenklimas
- gute Verarbeitungseigenschaften
- vergleichsweise geringe Neigung zum Verziehen bei fachgerechter Verarbeitung
- traditioneller Einsatz in Zigarrenkisten und Humidoren
Der Duft der Zeder darf jedoch nicht zu dominant sein. Sehr frisches, stark riechendes Holz kann das Aroma empfindlicher Zigarren beeinflussen.
Nicht jedes aromatisch riechende Holz eignet sich für einen Humidor. Stark harzhaltige oder chemisch behandelte Hölzer können unerwünschte Gerüche an die Zigarren abgeben.

8. Muss ein neuer Holzhumidor vorbereitet werden?
Ein neuer Holzhumidor besitzt zunächst häufig sehr trockenes Innenholz.
Werden Zigarren sofort hineingelegt, kann das Holz Feuchtigkeit aus den Zigarren und aus der Luft aufnehmen. Dadurch fällt die relative Luftfeuchtigkeit im Inneren ab.
Ein neuer oder lange nicht verwendeter Holzhumidor sollte deshalb vor der ersten Verwendung klimatisch vorbereitet werden. Dieser Vorgang wird als Einfahren, Konditionieren oder Seasoning bezeichnet.
Dabei wird das Innenholz langsam auf eine geeignete Feuchtigkeit gebracht.
Eine mögliche Vorgehensweise:
- Humidor auf Sauberkeit und fremde Gerüche prüfen.
- Ein geeignetes Befeuchtungssystem einsetzen.
- Den leeren Humidor mehrere Tage geschlossen halten.
- Luftfeuchtigkeit und Temperatur beobachten.
- Erst Zigarren einlegen, wenn sich die Werte stabilisiert haben.
Spezielle Seasoning-Packs arbeiten mit einer höheren relativen Luftfeuchtigkeit als die später verwendeten Lagerpacks. Boveda empfiehlt für neue Holzhumidore eigene 84-Prozent-Seasoning-Packs und weist darauf hin, dass deren Anzahl an das Fassungsvermögen angepasst werden muss. (Boveda® New Official-Site)
Die Innenflächen sollten nicht unkontrolliert mit einem nassen Tuch abgewischt werden. Zu viel Wasser kann das Holz aufquellen lassen, Verformungen verursachen oder später Schimmel begünstigen.

9. Der Humidor-Dichtigkeitstest
Ein Tischhumidor sollte nicht vollständig luftdicht sein, muss jedoch ausreichend dicht schliessen, damit das gewünschte Klima aufrechterhalten werden kann.
Bei vielen Holzhumidoren entsteht beim Schliessen des Deckels ein leichtes Luftpolster. Der Deckel sinkt langsam ab und erzeugt ein gedämpftes Geräusch.
Fällt der Deckel ohne Widerstand zu oder bestehen deutlich sichtbare Spalten, kann der Humidor zu viel Feuchtigkeit verlieren.
Eine schlechte Abdichtung führt zu:
- häufigem Nachfüllen des Befeuchters
- starken Schwankungen
- trockenen Zigarren
- ungleichmässiger Feuchtigkeit innerhalb des Humidors
Sehr dicht schliessende Kunststoff- oder Acrylbehälter haben das gegenteilige Problem: Ein zu leistungsstarker Befeuchter kann die Luftfeuchtigkeit darin stärker erhöhen als in einem weniger dichten Holzhumidor.
Das Befeuchtungssystem sollte deshalb immer zur Grösse und Bauart des Behälters passen.
10. Befeuchtungssysteme
Es existieren verschiedene Systeme zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit.
Schwammbefeuchter
Einfache Schwammbefeuchter geben durch Verdunstung Wasser an die Umgebung ab.
Sie sind preiswert, können jedoch nur Feuchtigkeit zuführen. Wird es im Humidor zu feucht, können sie die überschüssige Feuchtigkeit nicht aktiv aufnehmen.
Zudem müssen sie regelmässig kontrolliert und hygienisch sauber gehalten werden.
Acrylpolymer-Befeuchter
Acrylpolymer-Kristalle oder -Vliese speichern Wasser und geben es langsam ab.
Sie können ein gleichmässigeres Verhalten als einfache Schwämme zeigen, benötigen aber ebenfalls regelmässige Pflege.
Propylenglykol-Lösungen
Bei manchen passiven Befeuchtern wird eine Mischung aus destilliertem Wasser und Propylenglykol verwendet.
Das System soll die Feuchtigkeitsabgabe begrenzen und ein Klima im Bereich von ungefähr 70 Prozent unterstützen. Es darf nur eingesetzt werden, wenn der Hersteller des jeweiligen Befeuchters dies vorsieht.
Zwei-Wege-Feuchtigkeitsregulierung
Zwei-Wege-Systeme können sowohl Feuchtigkeit abgeben als auch überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen.
Sie sind mit unterschiedlichen Zielwerten erhältlich, beispielsweise:
- 65 Prozent
- 69 Prozent
- 72 Prozent
Boveda bezeichnet 69 Prozent als einen häufig bevorzugten Wert für Premiumzigarren und nennt 65 Prozent als Alternative für eine trockenere Lagerung und einen leichteren Abbrand. (Boveda® New Official-Site)
Solche Packs dürfen normalerweise nicht geöffnet, angeschnitten oder mit Wasser nachgefüllt werden. Sie werden ersetzt, sobald ihr Inhalt hart und trocken geworden ist.
Elektronische Befeuchtung
Für grosse Schrankhumidore und begehbare Humidore werden häufig elektronische Systeme verwendet.
Ein Sensor misst die relative Luftfeuchtigkeit. Sinkt sie unter den Zielwert, wird über einen Ventilator befeuchtete Luft verteilt.
Solche Systeme können grosse Volumen zuverlässig regulieren, müssen jedoch gereinigt, gewartet und mit geeignetem Wasser betrieben werden.
11. Warum destilliertes Wasser?
Bei vielen herkömmlichen Befeuchtern wird destilliertes Wasser empfohlen.
Leitungswasser kann Mineralien, Kalk, Chlor und Mikroorganismen enthalten. Diese können:
- Ablagerungen verursachen
- den Befeuchter verstopfen
- Gerüche erzeugen
- die Bildung von Mikroorganismen begünstigen
Destilliertes Wasser enthält deutlich weniger gelöste Mineralstoffe.
Bei geschlossenen Zwei-Wege-Packs wird kein Wasser eingefüllt. Sie werden direkt in den Humidor gelegt und nach ihrem Verbrauch ersetzt.
12. Das Hygrometer
Ein Hygrometer misst die relative Luftfeuchtigkeit.
Im Zigarrenbereich werden analoge und digitale Geräte verwendet. Digitale Hygrometer lassen sich meist leichter ablesen und zeigen häufig zusätzlich die Temperatur an.
Ein Hygrometer sollte nicht direkt an einem Befeuchter angebracht werden. Dort kann es lokal eine höhere Luftfeuchtigkeit messen als im übrigen Humidor.
Bei grösseren Humidoren sind mehrere Messpunkte sinnvoll. Die Werte können sich zwischen:
- oberem und unterem Bereich
- Vorder- und Rückseite
- Nähe und Distanz zum Befeuchter
unterscheiden.
Ein Hygrometer sollte regelmässig überprüft oder kalibriert werden. Auch digitale Geräte können mit der Zeit Abweichungen zeigen.

13. Kalibrierung des Hygrometers
Eine zuverlässige Messung ist nur möglich, wenn das Hygrometer korrekt arbeitet.
Für die Kalibrierung werden beispielsweise spezielle Kalibrierpacks verwendet. Das Hygrometer wird zusammen mit dem Pack in einen luftdicht verschlossenen Behälter gelegt.
Nach der vorgesehenen Wartezeit wird die Anzeige mit dem Referenzwert verglichen. Manche Hygrometer können direkt korrigiert werden. Bei anderen muss die festgestellte Abweichung beim Ablesen berücksichtigt werden.
Beispiel:
Zeigt das Hygrometer bei einer Referenz von 75 Prozent nur 72 Prozent an, liegt seine Anzeige drei Prozentpunkte zu tief.
Eine tägliche Reaktion auf jede kleine Messwertänderung ist nicht sinnvoll. Hygrometer reagieren auf Temperaturänderungen, das Öffnen des Humidors und die Position des Sensors.
14. Wo sollte der Humidor stehen?
Der Standort hat grossen Einfluss auf die Stabilität des Innenklimas.
Ein geeigneter Standort ist:
- vor direkter Sonne geschützt
- von Heizkörpern entfernt
- nicht direkt an einer kalten Aussenwand
- nicht im Badezimmer
- nicht unmittelbar in der Küche
- frei von starken Gerüchen
- möglichst temperaturstabil
- ausser Reichweite von Kindern
Ein Schrank oder ein ruhiger Raum kann geeignet sein, sofern dort keine hohe Wärme oder Feuchtigkeit entsteht.
Ein Humidor mit Glasdeckel sollte besonders gut vor Sonnenlicht geschützt werden. Glas kann zu einer stärkeren Erwärmung des Innenraums führen. Gleichzeitig können Licht und Wärme die Alterung der Banderollen und Verpackungen beschleunigen.
15. Licht und UV-Strahlung
Zigarren sollten dunkel oder zumindest lichtgeschützt gelagert werden.
Direktes Sonnenlicht erwärmt den Humidor und erzeugt starke Temperaturschwankungen. UV-Strahlung kann ausserdem Farben von Banderollen und Verpackungen verändern.
Bei einem Humidor mit Sichtfenster ist der Standort deshalb besonders wichtig.
Für eine langfristige Lagerung ganzer Kisten eignet sich häufig ein geschlossener Schrankhumidor oder ein dunkler Lagerbereich besser als ein stark beleuchteter Präsentationshumidor.
16. Fremdgerüche
Tabak kann Gerüche aus seiner Umgebung aufnehmen.
Zigarren sollten deshalb nicht zusammen mit stark riechenden Stoffen gelagert werden. Dazu gehören beispielsweise:
- Parfüm
- Reinigungsmittel
- Gewürze
- Kaffee
- Käse
- Räucherwaren
- Lösungsmittel
- Duftkerzen
- stark aromatisches Holz
Auch ein muffiger oder chemisch riechender Humidor kann das Aroma der Zigarren beeinträchtigen.
Ein Humidor sollte zur Reinigung nicht mit aggressiven Haushaltsreinigern behandelt werden. Meist genügt eine vorsichtige trockene Reinigung. Bei konkreten Problemen sollte die Empfehlung des Herstellers beachtet werden.
17. Aromatisierte Zigarren getrennt lagern
Aromatisierte Zigarren können Duft- und Geschmacksstoffe an andere Zigarren übertragen.
Sie sollten deshalb getrennt von klassischen Premiumzigarren gelagert werden. Dies gilt besonders bei langer Lagerzeit und in dicht geschlossenen Behältern.
Eine Trennwand innerhalb desselben Humidors kann den direkten Kontakt vermindern, verhindert den Aromaaustausch aber nicht vollständig.
Für stark aromatisierte Produkte ist ein separater Humidor oder ein eigener dicht schliessender Behälter die sicherere Lösung.
18. Müssen Zigarren verschiedener Herkunft getrennt werden?
Kubanische, dominikanische, nicaraguanische und honduranische Zigarren müssen nicht grundsätzlich in getrennten Humidoren gelagert werden.
Unter normalen Bedingungen übertragen klassische, nicht aromatisierte Zigarren ihre Eigenschaften nicht in einem Ausmass, das zwingend getrennte Humidore erforderlich macht.
Eine Trennung kann dennoch sinnvoll sein:
- zur besseren Organisation
- bei sehr grossen Sammlungen
- für unterschiedliche Lagerfeuchtigkeiten
- bei Langzeitlagerung ganzer Kisten
- zur Trennung von Alltags- und Sammlerzigarren
- bei sehr intensiven oder ungewöhnlichen Blends
Eine Cedar-Trennwand dient hauptsächlich der Organisation und Luftverteilung. Sie stellt keine geruchsdichte Barriere dar.
19. Zigarren mit oder ohne Zellophan lagern?
Viele nicht kubanische Zigarren werden einzeln in Zellophan verpackt. Kubanische Zigarren liegen dagegen häufig ohne Zellophan in der Kiste.
Zellophan kann das empfindliche Deckblatt gegen:
- mechanische Beschädigungen
- Reibung
- häufiges Anfassen
- kurzfristige Feuchtigkeitsschwankungen
schützen.
Echtes Zellophan ist nicht vollständig luft- und feuchtigkeitsdicht. Eine Zigarre kann deshalb auch im Zellophan langsam reifen.
Für die Lagerung gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Zellophan vollständig belassen
- Zellophan am Fuss öffnen
- Zigarre vollständig auspacken
Für häufig bewegte Zigarren und gemischte Sammlungen bietet das Zellophan einen praktischen Schutz. Bei einer ruhenden Langzeitsammlung ist die Entscheidung vor allem eine Frage der persönlichen Organisation.
Plastikähnliche, vollständig dichte Verpackungen sind nicht mit durchlässigem Zellophan gleichzusetzen.
20. Lagerung in der Originalkiste
Ganze Zigarrenkisten können direkt in einem ausreichend grossen Humidor oder einem klimatisierten Schrank gelagert werden.
Die Originalkiste bietet:
- Schutz vor Licht
- Schutz vor Beschädigungen
- eine übersichtliche Zuordnung
- ein relativ stabiles Mikroklima
- Erhalt der Originalverpackung für Sammler
Kisten sollten nicht so dicht gestapelt werden, dass keine Luft mehr zirkulieren kann.
Bei langfristiger Lagerung sollten die Kisten gelegentlich kontrolliert werden. Dabei ist auf Feuchtigkeit, Geruch, Verfärbungen, kleine Löcher und andere Auffälligkeiten zu achten.
Habanos empfiehlt für die Reifung in Kisten neben geeigneter Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch einen gut belüfteten Lagerort, damit unerwünschte Gerüche entweichen können. (Habanos)
21. Die Belegung des Humidors
Ein Humidor arbeitet häufig stabiler, wenn er nicht vollkommen leer ist. Die Zigarren und das Holz wirken als Feuchtigkeitspuffer.
Er sollte jedoch auch nicht vollständig überfüllt werden.
Zu dicht gepackte Zigarren können:
- die Luftzirkulation behindern
- ungleichmässig befeuchtet werden
- beschädigt werden
- schwer kontrollierbar sein
Zwischen den Zigarren und dem Befeuchter sollte ausreichend Abstand bestehen. Direkter Kontakt mit einem feuchten Befeuchtungselement kann Deckblätter beschädigen und örtlich zu hohe Feuchtigkeit erzeugen.
22. Müssen Zigarren regelmässig gedreht werden?
In einem kleinen, stabil arbeitenden Humidor müssen Zigarren nicht ständig gedreht werden.
Das gelegentliche Umordnen kann sinnvoll sein, wenn:
- der Befeuchter nur an einer Stelle angebracht ist
- grosse Unterschiede zwischen oben und unten bestehen
- der Humidor sehr dicht befüllt ist
- der Behälter nur eine geringe Luftzirkulation besitzt
Bei elektronisch geregelten Schrankhumidoren mit gleichmässiger Luftverteilung ist ein häufiges Drehen meist nicht erforderlich.
Zu häufiges Anfassen erhöht dagegen das Risiko, empfindliche Deckblätter zu beschädigen.
23. Den Humidor nicht unnötig oft öffnen
Jedes Öffnen führt zu einem Austausch mit der Raumluft.
Der gemessene Wert kann danach vorübergehend stark steigen oder fallen. Das Befeuchtungssystem benötigt anschliessend Zeit, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Ein kurzer Blick oder die Entnahme einer Zigarre ist unproblematisch. Der Humidor sollte jedoch nicht über längere Zeit offen stehen.
Besonders in trockenen Wintermonaten kann die Luftfeuchtigkeit bei häufigem Öffnen schneller sinken.
24. Trockene Zigarren
Eine ausgetrocknete Zigarre ist häufig:
- hart
- leicht
- spröde
- empfindlich gegen Risse
- schnell brennend
- geschmacklich scharf oder flach
Das Deckblatt kann sich lösen oder beim Anschneiden brechen.
Eine trockene Zigarre sollte nicht schlagartig einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt werden. Die Einlage und das Deckblatt nehmen Feuchtigkeit unterschiedlich schnell auf. Eine zu schnelle Wiederbefeuchtung kann dazu führen, dass das Deckblatt reisst oder die Zigarre ungleichmässig aufquillt.
25. Trockene Zigarren langsam regenerieren
Nicht jede trockene Zigarre ist endgültig verloren. Ist das Deckblatt noch weitgehend intakt und riecht die Zigarre normal, kann eine langsame Regeneration versucht werden.
Eine vorsichtige Vorgehensweise:
- Die Zigarre zunächst bei einer moderaten Luftfeuchtigkeit lagern.
- Die Luftfeuchtigkeit nur schrittweise erhöhen.
- Der Zigarre mehrere Wochen Zeit geben.
- Zustand, Geruch und Deckblatt regelmässig prüfen.
- Erst rauchen, wenn sich die Feuchtigkeit weitgehend ausgeglichen hat.
Eine mögliche Staffelung wäre zunächst ungefähr 60 bis 62 Prozent und später 65 bis 69 Prozent.
Der genaue Zeitraum hängt davon ab, wie stark und wie lange die Zigarre ausgetrocknet war. Eine vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Aromen ist nicht garantiert. Flüchtige Aromastoffe und natürliche Öle können durch lange Trockenheit dauerhaft verloren gehen.
26. Zu feuchte Zigarren
Eine zu feuchte Zigarre fühlt sich oft weich oder schwammig an.
Mögliche Folgen sind:
- schwerer Zug
- häufiges Erlöschen
- schiefer Abbrand
- dichter, schwerer Rauch
- gedämpfte oder muffige Aromen
- Aufplatzen des Deckblattes beim Rauchen
- erhöhtes Schimmelrisiko
Eine überfeuchtete Zigarre sollte ebenfalls langsam an einen geeigneten Wert angepasst werden.
Sie kann für einige Zeit in einem Humidor mit niedrigerer Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Ein unkontrolliertes Austrocknen an offener Raumluft ist nicht empfehlenswert.
Boveda weist darauf hin, dass eine übermässig feuchte Lagerung zu schlechtem Abbrand, weichen Zigarren und weniger klaren Aromen führen kann. (Boveda® New Official-Site)
27. Die Vorbereitung vor dem Rauchen
Manche Aficionados nehmen eine eher feucht gelagerte Zigarre bereits einige Stunden oder einen Tag vor dem Rauchen aus dem Humidor.
Dieser Vorgang wird gelegentlich als Dry Boxing bezeichnet. Die Zigarre kommt dabei in eine leere, saubere Zigarrenkiste oder einen unbefeuchteten Behälter.
Ziel ist nicht das vollständige Austrocknen, sondern eine geringfügige Reduzierung der Oberflächenfeuchtigkeit.
Dry Boxing kann sinnvoll sein, wenn eine Zigarre:
- sehr weich wirkt
- schwer zieht
- häufig ausgeht
- erfahrungsgemäss zu feucht gelagert wurde
Bei bereits trocken gelagerten Zigarren ist dieser Schritt normalerweise nicht nötig.
28. Schimmel
Schimmel entsteht vor allem bei einer Kombination aus:
- hoher Luftfeuchtigkeit
- hoher Temperatur
- geringer Luftbewegung
- organischem Material
- längerer Einwirkungszeit
Er kann weiss, grau, grünlich, bläulich oder gelblich erscheinen. Häufig wirkt er pelzig, faserig oder fleckenartig.
Bei Schimmelverdacht sollten betroffene Zigarren sofort von der übrigen Sammlung getrennt werden.
Wichtige Massnahmen:
- Betroffene Zigarren isolieren.
- Den gesamten Humidor kontrollieren.
- Temperatur und Luftfeuchtigkeit prüfen.
- Befeuchtungssystem überprüfen.
- Humidor sorgfältig reinigen und trocknen.
- Ursache der zu hohen Feuchtigkeit beseitigen.
Hat der Schimmel den offenen Fuss und damit die Einlage erreicht, sollte die Zigarre nicht mehr geraucht werden. Bei starkem oder tief sitzendem Befall ist ebenfalls eine Entsorgung die sichere Lösung.
Im Zweifelsfall sollte eine verdächtige Zigarre als schimmelbefallen behandelt und einem erfahrenen Fachhändler gezeigt werden.

29. Plume oder Schimmel?
In der Zigarrenwelt wird gelegentlich von Plume oder Bloom gesprochen. Damit wird ein feiner, trockener und abwischbarer Belag bezeichnet, der angeblich durch kristallisierte Bestandteile des Tabaks entsteht.
Die Unterscheidung zwischen Plume und Schimmel ist jedoch umstritten. Untersuchungen und Erfahrungen in der Branche kommen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen. Einige vermeintliche Plume-Fälle stellten sich bei genauer Untersuchung als Schimmel heraus.
Deshalb gilt eine vorsichtige Regel:
Ein unbekannter weisser Belag sollte nicht automatisch als harmloser Plume angesehen werden.
Schimmel ist häufig:
- pelzig oder faserig
- unregelmässig
- fleckenartig
- grünlich, bläulich oder gelblich
- muffig riechend
- auch am offenen Fuss sichtbar
Ein vermeintlicher kristalliner Belag wird dagegen als:
- fein
- trocken
- gleichmässig
- weisslich
- leicht abwischbar
beschrieben.
Da eine sichere Unterscheidung ohne Untersuchung schwierig sein kann, sollte die betroffene Zigarre zunächst isoliert werden.
30. Tabakkäfer
Der Tabak- oder Zigarettenkäfer trägt den wissenschaftlichen Namen Lasioderma serricorne.
Seine Larven können sich durch Tabakblätter und fertige Zigarren fressen. Typische Anzeichen eines Befalls sind:
- kleine runde Löcher in der Zigarre
- feiner Tabakstaub
- beschädigte Deckblätter
- kleine braune Käfer im Humidor
- neue Löcher in Kisten oder Verpackungen
Die Eier können bereits während der Verarbeitung oder Lagerung in den Tabak gelangen. Bei günstigen, insbesondere warmen Bedingungen können daraus Larven schlüpfen.
Die Temperatur spielt für Entwicklung und Vermehrung des Tabakkäfers eine wichtige Rolle. Wissenschaftliche Übersichten beschreiben warme Bedingungen als besonders günstig, während niedrige Temperaturen die Entwicklung stark einschränken. (Wikipedia)
Ein kühler, stabiler Humidor senkt deshalb das Risiko deutlich. Er bietet jedoch keine absolute Garantie.
31. Vorgehen bei Tabakkäferbefall
Wird ein aktiver Befall festgestellt, sollten die betroffenen Zigarren sofort isoliert werden.
Anschliessend müssen alle Zigarren, Kisten und Bereiche des Humidors sorgfältig kontrolliert werden.
In privaten Sammlungen wird häufig eine kontrollierte Tiefkühlbehandlung angewendet. Dabei ist ein langsamer Temperaturwechsel entscheidend, damit sich kein schädliches Kondenswasser bildet und die Deckblätter nicht reissen.
Eine mögliche Vorgehensweise besteht aus:
- Zigarren luftdicht verpacken.
- Zunächst im Kühlschrank vorkühlen.
- Danach mehrere Tage tiefkühlen.
- Anschliessend wieder im Kühlschrank langsam auftauen.
- Erst danach bei Raumtemperatur angleichen.
- Zigarren wieder langsam in den Humidor zurückführen.
Die genaue Dauer hängt von der tatsächlichen Gefriertemperatur und der Grösse der Verpackung ab. Bei wertvollen Sammlungen sollte die Behandlung mit einem erfahrenen Zigarrenfachhändler abgestimmt werden.
Das direkte Einfrieren und schnelle Auftauen kann Kondenswasser und Schäden verursachen.
32. Zigarren im Kühlschrank lagern?
Ein gewöhnlicher Haushaltskühlschrank ist für die dauerhafte Lagerung von Zigarren ungeeignet.
Gründe dafür sind:
- sehr niedrige Luftfeuchtigkeit
- starke Gerüche von Lebensmitteln
- häufige Temperaturänderungen
- Kondensationsgefahr
- Luftzirkulation zur Lebensmittelkühlung
Zigarren können darin austrocknen und fremde Gerüche aufnehmen.
Eine Kühlung ist nur im Rahmen einer gezielten, sorgfältig geplanten Schädlingsbehandlung sinnvoll.
Auch ein normaler Weinkühlschrank ist nicht automatisch als Humidor geeignet. Er kann verwendet werden, wenn Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrolliert werden und keine starke Kondensation entsteht. Solche umgebauten Systeme werden häufig als Wineador bezeichnet.
33. Der Tupperdor
Ein Tupperdor ist ein dicht schliessender Kunststoffbehälter, der zur Zigarrenlagerung verwendet wird.
Seine Vorteile sind:
- geringe Kosten
- gute Dichtigkeit
- stabile Luftfeuchtigkeit
- einfache Reinigung
- Schutz vor äusseren Gerüchen
- flexible Grösse
Der Kunststoff sollte geruchsneutral und für die Lagerung geeignet sein.
Da der Behälter sehr dicht schliesst, ist oft weniger Befeuchtungsleistung erforderlich als bei einem Holzhumidor. Ein zu hoher Feuchtigkeitswert kann sich darin lange halten.
Zedernholzeinlagen oder leere Zigarrenkisten können als Feuchtigkeitspuffer und zur Organisation verwendet werden. Sie ersetzen jedoch nicht die Kontrolle mit einem Hygrometer.
34. Der Coolidor
Ein Coolidor ist eine grössere, isolierte Kühlbox, die als passiver Zigarrenlagerbehälter verwendet wird.
Sie eignet sich vor allem für:
- grössere Sammlungen
- ganze Zigarrenkisten
- kostengünstige Langzeitlagerung
- stabile Feuchtigkeitswerte
Die Box wird dabei nicht aktiv gekühlt. Ihre Isolierung kann lediglich kurzfristige Temperaturänderungen verlangsamen.
Vor der Verwendung muss sie vollständig sauber und geruchsneutral sein. Neue Kunststoffboxen können einen starken Eigengeruch besitzen und müssen entsprechend ausgelüftet werden.
35. Der Wineador
Ein Wineador ist ein Wein- oder Klimaschrank, der für die Lagerung von Zigarren angepasst wurde.
Er kann den Vorteil bieten, neben der Luftfeuchtigkeit auch die Temperatur kontrollieren zu können.
Allerdings sind nicht alle Weinkühlschränke geeignet. Problematisch können sein:
- Kondenswasser
- starke Ventilatoren
- grosse Temperaturunterschiede
- Gerüche der Kunststoffinnenverkleidung
- ungenaue Temperaturregelung
- austrocknende Kühlsysteme
Für Zigarren werden häufig thermoelektrische Geräte bevorzugt, weil sie meist weniger Vibrationen und geringere lokale Abkühlung als klassische Kompressorsysteme erzeugen. Dennoch muss jedes Gerät individuell geprüft werden.
36. Der Schrankhumidor
Ein Schrankhumidor eignet sich für grössere Sammlungen.
Er bietet:
- viel Platz
- übersichtliche Lagerung
- Aufnahme ganzer Kisten
- Möglichkeit elektronischer Befeuchtung
- teilweise aktive Luftumwälzung
Bei grossen Volumen ist eine gleichmässige Luftverteilung besonders wichtig. Ein einzelner kleiner Befeuchter kann in einem grossen Schrank unterschiedliche Klimazonen erzeugen.
Mehrere Hygrometer oder Sensoren helfen, Abweichungen zu erkennen.
37. Der begehbare Humidor
Begehbare Humidore werden vor allem von Fachgeschäften, Clubs und Sammlern mit grossen Beständen verwendet.
Sie benötigen:
- gut isolierte Wände
- eine geeignete Dampfsperre
- zuverlässige Befeuchtung
- Temperaturkontrolle
- Luftumwälzung
- regelmässige Wartung
- hygienische Oberflächen
Eine falsche bauliche Ausführung kann dazu führen, dass Feuchtigkeit in Wände oder Decken eindringt und Gebäudeschäden verursacht.
Ein begehbarer Humidor sollte deshalb fachgerecht geplant werden.
38. Reisehumidore
Ein Reisehumidor schützt Zigarren während des Transports vor Stössen und Feuchtigkeitsverlust.
Je nach Ausführung besteht er aus:
- Leder
- Holz
- Kunststoff
- Metall
- Verbundmaterialien
Für kurze Ausflüge von wenigen Stunden ist nicht immer eine aktive Befeuchtung erforderlich, sofern die Zigarren zuvor korrekt gelagert wurden und der Behälter gut schliesst.
Bei längeren Reisen empfiehlt sich ein kleines geeignetes Befeuchtungselement oder ein Zwei-Wege-Pack.
Davidoff verwendet bei bestimmten Reisehumidoren ein Zwei-Wege-System und gibt für einzelne Modelle eine mögliche Aufbewahrungsdauer von bis zu 45 Tagen an. Die tatsächliche Dauer hängt jedoch vom Modell, der Anzahl Zigarren und den Umgebungsbedingungen ab. (us.davidoffgeneva.com)

39. Transport im Flugzeug
Bei Flugreisen sollten Zigarren vor Druck, Trockenheit und mechanischen Schäden geschützt werden.
Ein stabiler Reisehumidor im Handgepäck ist meist geeigneter als eine lose Verpackung im aufgegebenen Gepäck.
Bei längeren Flügen kann die trockene Kabinenluft den Zigarren Feuchtigkeit entziehen, insbesondere wenn der Behälter häufig geöffnet wird oder schlecht schliesst.
Zigarrenabschneider und Feuerzeuge unterliegen je nach Land, Fluggesellschaft und Bauart unterschiedlichen Sicherheitsbestimmungen. Die jeweils aktuellen Vorschriften müssen vor der Reise geprüft werden.
40. Kurzfristige Lagerung ohne Humidor
Einzelne Zigarren können für eine begrenzte Zeit in einem gut schliessenden Beutel oder Kunststoffbehälter aufbewahrt werden.
Ein kleines Zwei-Wege-Pack kann die Luftfeuchtigkeit stabilisieren.
Dies eignet sich beispielsweise:
- nach einem Einkauf
- für eine kurze Reise
- als Übergangslösung
- für kleine Bestände
Ein trockener Holzkasten ohne Befeuchtung schützt zwar vor Licht und Beschädigung, verhindert aber nicht das Austrocknen.
Die genaue Zeit, die eine Zigarre ohne kontrollierte Lagerung übersteht, hängt stark von ihrer Ausgangsfeuchtigkeit, Verpackung, Raumtemperatur und Umgebungsluft ab.
41. Langzeitlagerung und Reifung
Unter geeigneten Bedingungen können hochwertige Zigarren über viele Jahre gelagert werden.
Habanos gibt an, dass Habanos bei korrekter Lagerung 15 Jahre und teilweise noch länger aufbewahrt werden können. Wie bei Wein bedeutet ein höheres Alter jedoch nicht automatisch, dass jede Zigarre besser wird. (Habanos)
Während der Reifung können:
- scharfe Eindrücke zurückgehen
- Aromen harmonischer werden
- Stärke milder erscheinen
- neue feine Nuancen entstehen
- einzelne frische Aromen schwächer werden
Ob eine Zigarre von langer Lagerung profitiert, hängt ab von:
- Blend
- Tabakqualität
- Stärke
- Verarbeitung
- Alter bei der Auslieferung
- Lagerbedingungen
- persönlichem Geschmack
Milde und bereits sehr ausgewogene Zigarren können durch übermässig lange Lagerung an Ausdruck verlieren. Kräftige und strukturierte Blends besitzen häufig ein grösseres Reifepotenzial.

42. Sick Period und Ruhephase
Nach dem Rollen oder nach längeren Transporten können Zigarren vorübergehend unausgewogen wirken.
Auch während der natürlichen Weiterentwicklung können Phasen auftreten, in denen eine Zigarre:
- verschlossen schmeckt
- ungewöhnlich ammoniakalisch riecht
- unausgewogen wirkt
- schlechter brennt
Solche Phasen werden in der Zigarrenwelt gelegentlich als Sick Period bezeichnet.
Ein deutlich stechender Ammoniakgeruch kann darauf hinweisen, dass im Tabak noch Abbauprozesse stattfinden. Die Zigarre sollte dann weiter ruhen und nicht sofort geraucht werden.
Eine feste allgemeingültige Dauer gibt es nicht. Manche Zigarren stabilisieren sich nach einigen Wochen, andere benötigen Monate oder länger.
43. Neue Zigarren akklimatisieren
Zigarren können während des Transports andere klimatische Bedingungen erlebt haben als im eigenen Humidor.
Es ist deshalb sinnvoll, neu gekaufte Zigarren zunächst mehrere Tage oder Wochen ruhen zu lassen.
Besonders nach:
- Versand
- Flugreisen
- grossen Temperaturunterschieden
- sehr trockener oder feuchter Zwischenlagerung
sollten die Zigarren Zeit zur Akklimatisierung erhalten.
Ein zu schneller Wechsel von sehr trockenen zu sehr feuchten Bedingungen kann das Deckblatt beschädigen.
44. Kontrolle und Dokumentation
Eine wertvolle oder grössere Sammlung sollte regelmässig kontrolliert werden.
Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Temperatur
- relative Luftfeuchtigkeit
- Geruch
- Zustand der Deckblätter
- Anzeichen von Schimmel
- kleine Käferlöcher
- Funktion des Befeuchters
- Zustand der Batterien
- Dichtigkeit des Humidors
Für Langzeitlagerungen kann eine einfache Dokumentation hilfreich sein.
Notiert werden können:
- Kaufdatum
- Boxcode oder Produktionsdatum
- Herkunft
- Lagerbeginn
- verwendete Luftfeuchtigkeit
- besondere Beobachtungen
- Verkostungsnotizen
So lässt sich nachvollziehen, wie sich eine Zigarre im Verlauf der Jahre entwickelt.
45. Häufige Fehler bei der Zigarrenlagerung
Zu den häufigsten Fehlern gehören:
Zu hohe Luftfeuchtigkeit
Die weitverbreitete Annahme, mehr Feuchtigkeit sei grundsätzlich besser, führt häufig zu weichen, schlecht brennenden Zigarren und erhöhtem Schimmelrisiko.
Tägliches Nachregulieren
Kleine Schwankungen sind normal. Ständiges Hinzufügen oder Entfernen von Feuchtigkeit kann grössere Schwankungen verursachen als das ursprüngliche Problem.
Falscher Standort
Ein gut befeuchteter Humidor kann seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn er in der Sonne oder direkt neben einer Heizung steht.
Unkalibriertes Hygrometer
Eine falsche Anzeige führt zu falschen Massnahmen. Ein tatsächlich zu feuchter Humidor kann aufgrund einer zu niedrigen Anzeige weiter befeuchtet werden.
Leitungswasser im Befeuchter
Mineralien und Rückstände können das System beeinträchtigen und die Hygiene verschlechtern.
Überfüllung
Ein vollständig vollgestopfter Humidor erschwert Luftzirkulation und Kontrolle.
Direkter Kontakt mit dem Befeuchter
Zigarren können lokal zu feucht werden oder durch austretende Flüssigkeit beschädigt werden.
Aromatisierte Zigarren im gleichen Humidor
Die Aromen können sich auf klassische Zigarren übertragen.
Kühlschranklagerung
Haushaltskühlschränke sind trocken, geruchsintensiv und für die dauerhafte Lagerung ungeeignet.
Zu schnelle Wiederbefeuchtung
Ausgetrocknete Zigarren können aufplatzen oder dauerhaft geschädigt werden.
46. Eine einfache Lagerung für Einsteiger
Für eine kleine Sammlung ist keine komplizierte Anlage nötig.
Eine zuverlässige Grundausstattung besteht aus:
- einem passenden Tischhumidor oder geruchsneutralen Tupperdor
- einem kalibrierten digitalen Hygrometer
- einem geeigneten Zwei-Wege-Feuchtigkeitspack
- einem kühlen, dunklen und temperaturstabilen Standort
Für viele Sammlungen ist ein Zielwert von ungefähr 65 bis 69 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit ein sinnvoller Ausgangspunkt.
Danach sollte beobachtet werden, wie sich die Zigarren anfühlen und rauchen.
Ziehen sie schwer und gehen häufig aus, kann eine etwas trockenere Lagerung sinnvoll sein. Brennen sie sehr schnell und wirkt das Deckblatt spröde, muss die Feuchtigkeit überprüft werden.
47. Lagerung ist keine exakte Wissenschaft
Trotz Messgeräten und Richtwerten bleibt die Zigarrenlagerung teilweise eine Frage der Erfahrung.
Nicht jede Zigarre reagiert gleich. Unterschiede bestehen hinsichtlich:
- Tabaksorte
- Deckblatt
- Ringmass
- Rolltechnik
- Herkunft
- Alter
- persönlicher Rauchgeschwindigkeit
Ein dünnes Format reagiert schneller auf die Umgebung als eine sehr dicke Zigarre. Ein feines Connecticut-Shade-Deckblatt kann empfindlicher auf Trockenheit reagieren als ein kräftigeres, öliges Maduro-Deckblatt.
Die Messwerte des Humidors sind deshalb wichtig, aber nicht das einzige Kriterium. Ebenso wichtig sind der Zustand der Zigarre und ihr Verhalten beim Rauchen.
Schlussbetrachtung
Die richtige Lagerung von Zigarren beruht vor allem auf einem stabilen Zusammenspiel von Luftfeuchtigkeit und Temperatur.
Für viele Premiumzigarren eignet sich ein Bereich von ungefähr 65 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Die Temperatur sollte möglichst konstant, kühl und deutlich unter den hohen sommerlichen Raumtemperaturen liegen. Für Habanos werden offiziell 16 bis 18 Grad Celsius und 65 bis 70 Prozent relative Luftfeuchtigkeit empfohlen. (Habanos)
Ebenso wichtig sind ein geeigneter Standort, ein korrekt arbeitendes Hygrometer, ein zur Behältergrösse passendes Befeuchtungssystem und regelmässige Kontrollen.
Eine Zigarre darf weder austrocknen noch dauerhaft überfeuchtet werden. Schnelle Klimaveränderungen sollten vermieden werden. Aromatisierte Zigarren gehören in einen separaten Behälter, und fremde Gerüche müssen vom Humidor ferngehalten werden.
Werden Zigarren unter stabilen Bedingungen gelagert, bleiben sie nicht nur rauchfähig. Hochwertige Blends können sich während der Reifung harmonisieren und über viele Jahre weiterentwickeln.
Ein guter Humidor ist deshalb nicht bloss eine Aufbewahrungsbox. Er ist ein kontrollierter Reiferaum, der das Ergebnis jahrelanger Arbeit auf dem Tabakfeld und in der Zigarrenmanufaktur bewahrt.
Quellen und weiterführende Informationen
Habanos S.A. – Keeping Habanos: Offizielle Empfehlungen zur Aufbewahrung kubanischer Zigarren bei 16 bis 18 Grad Celsius und 65 bis 70 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit sowie Hinweise zur möglichen Langzeitlagerung. (Habanos)
Habanos S.A. – Ageing Finished Cigars: Informationen zur Reifung fertiger Zigarren, zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung bei der Kistenlagerung. (Habanos)
Habanos S.A. – Checking the Work: Beschreibung der klimatischen Bedingungen im Escaparate, in dem frisch gerollte Zigarren vor dem Verpacken ruhen. (Habanos)
Davidoff of Geneva – Humidors: Informationen zur Bedeutung eines ausgeglichenen Verhältnisses von Temperatur und Luftfeuchtigkeit für die Zigarrenlagerung. (us.davidoffgeneva.com)
Davidoff of Geneva – Travel Humidor: Informationen über den Schutz und die Feuchtigkeitsregulierung von Zigarren während des Transports. (us.davidoffgeneva.com)
Boveda – What RH Is Good for Cigars?: Erläuterungen zum empfohlenen allgemeinen Lagerbereich zwischen 65 und 72 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. (Boveda® New Official-Site)
Boveda – What Boveda RH Do I Need?: Übersicht zu verschiedenen Zielwerten wie 65 und 69 Prozent und deren Einsatz bei der Zigarrenlagerung. (Boveda® New Official-Site)
Boveda – Storing Cigars 101: Hinweise zur Vorbereitung neuer Holzhumidore und zur Verwendung spezieller Seasoning-Packs. (Boveda® New Official-Site)
Boveda – The Art of Aging Cigars: Informationen über die Auswirkungen zu hoher Luftfeuchtigkeit auf Abbrand, Konsistenz und Aromen. (Boveda® New Official-Site)
Wang, T. et al. – Temperature Effects on Lasioderma serricorne: Wissenschaftliche Erkenntnisse zur temperaturabhängigen Entwicklung und Vermehrung des Tabak- beziehungsweise Zigarettenkäfers. Zusammengefasst in der biologischen Übersicht zu Lasioderma serricorne. (Wikipedia)

